Wie aus der Geschichte des Yoga ersichtlich, ist der körperorientierte Hatha Yoga heute die im Westen bekannteste Yogamethode, die wie alle Yogaarten, auf Patanjalis Yoga Sutren basiert. Während im Yoga-System Patanjali’s der Fokus auf dem Geist liegt, steht im Hatha Yoga der Körper im Mittelpunkt und deshalb wird er auch als Weg des Körpers, als kraftvolles Yoga, bezeichnet. Das Ziel bleibt dabei das gleiche, nämlich die Kontrolle über mentale Prozesse, um den Geist zu einem Instrument des Erkennens der Wahrheit zu machen.

Der Hatha Yoga beschreibt exakt systematisierte Techniken bestehend aus Körperübungen (Asana), kombiniert mit Atemtechniken (Pranayama) sowie Entspannungs- und Meditationsübungen. Hatha-Yoga basiert auf der Idee, dass Prana (die allen Lebensäußerungen zugrunde liegende Lebensenergie) in Nadis (spezielle funktionelle Bahnen) durch den Körper fließt, wobei Prana den Körper strukturell und funktionell konstituiert und erhält. „Ha“ steht für das Symbol der Sonne und meint die katabolen, Energie und Wärme bereitstellenden Prozesse. „Tha“ steht für das Symbol des Mondes und meint anabole, Energie auffüllende Prozesse. Das Ziel des Hatha-Yoga ist die Erlangung eines dynamischen Gleichgewichts zwischen diesen zwei Grundprinzipien.

Ein zentrales Argument der Dualität in den Asanas liefert Patanjalis Yoga Sutra (II.46):

Sthira-Sukham-Asanam:

Sinngemäß übersetzt sagt es uns wie wir Asanas üben sollen, etwa mit „stability and comfort“. Ziel ist die Vereinigung zweier gegensätzlicher Kräfte. Am Beispiel der Körperstellung ist es das Finden einer Balance zwischen Aktivität und Entspannung.

Merkmale unterschiedlicher Hatha-Yoga-Wege

1. Es gibt Systeme von Verhaltensweisen, die die Beziehung zur sozialen Umwelt und zu sich selbst formal regeln, mit dem Ziel Leid verursachende Spannungen und daraus resultierende Handlungen mit den zu erwartenden negativen Rückwirkungen zu vermeiden.

2. Der Yoga strebt nach einer harmonischen Integration der psychophysischen, sozialen und spirituellen Seinsebene und beinhaltet die Entwicklung einer von Liebe und Achtung getragenen Haltung der Mitwelt gegenüber. Angestrebt wird ein Zustand von Glück und Zufriedenheit, der stabil ist gegenüber wechselnden äußeren Umständen und inneren Zuständen.

3. Der Yoga ist an den bewussten Vollzug von körperlichen und psychischen Übungen gebunden, die regelmäßig ausgeführt werden sollen. Körper und Geist sollen in eine optimale Verfassung gebracht werden, weil sonst keine höhere Erkenntnis möglich ist.

4. Die Übungen werden in bewusster gedanklicher Konzentration durchgeführt. Ziel ist die Befreiung von Leid durch den Akt oder Prozess der Selbsterkenntnis.

5. Gedankliche Konzentration meint eine passivierte Bewusstseinseinstellung, in Form von „sich beobachten“ im Gegensatz zu aktiver Konzentration wie beispielsweise beim Kopfrechnen.