Yoga hat eine über 5000-jährige Geschichte. Die ältesten bildlichen Funde gehen auf Steinsiegel zurück, die in den Städten der Indus-Kultur (Harappa und Mohenjo Daro) gefunden wurden. Die Steinsiegel, deren Alter auf über 5000 Jahre geschätzt wird, zeigen eine Person in einer dem Lotussitz ähnlichen Sitzhaltung.

Einen geschichtlichen Überblick des Yoga erhält man am besten unter Berücksichtigung der indischen Philosophie, da Yoga tief mit der indischen Kultur und Tradition verwurzelt ist.

Bestandsaufnahme

Prävedische Periode (3000 – 1500 v. Chr.)
Wie Eingangs erwähnt fand man die ersten yogischen Bildnisse auf Steinsiegeln bei Ausgrabungen in Harappa und Mohenjo Daro. Zu dieser Zeit herrschten naturreligiöse Vorstellungen und die Natur wurde als Gottheit verehrt.

Vedische Periode (1500 – 800 v. Chr.)
Die Veden sind die ältesten überlieferten Textdokumente und gelten auch heute noch als göttliches Wissen. Da sie mündlich von Lehrer zu Schüler überliefert wurden, ist ihre Niederschrift häufig nicht mit dem Entstehungszeitraum identisch. Die Veden sind in unterschiedliche Sektionen gegleiderr und beinhalten Hymnen hauptsächlich an Götter, priesterlichen Gesang, Opfersprüche, Zaubersprüche und waren teilweise geheimen Charakters. In den Veden finden sich bereits unterschiedliche Spuren yogischer Techniken, oftmals mit unterschiedlicher Bezeichnung.

Upanishadische Periode (800 – 600 v. Chr.)
Die Upanishaden sind philosophische Kommentare zu den Veden. Sie werden auch als Vedanta, Ende des Veda, bezeichnet. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist “das Sitzen des Schülers zu Füßen des Lehrers”. Mit den Upanishaden endet auch das Wissen aus unmittelbar göttlichem, offenbartem Wissen (shruti). Alles was später kommt, gilt als smriti, das von Menschen interpretierte Wissen. Die Upanishaden stellen die Basis des Yoga dar. Die Grundlehre besteht in der These von der Identität der Weltseele (Brahman) und der Individualseele (Atman). Brahman wird im Vedanta als Schöpfergott gesehen. Auch die Lehren (die im Yoga von zentraler Bedeutung sind) von Karma – Tatenvergeltung, Samsara – dem Kreislauf der Wiedergeburten und Moksha – die Idee der persönlichen Befreiung nehmen endgültig Gestalt an.

Epische Periode (600 – 200 v. Chr.)
Die Samkya Lehre, auch als Sankya, Sankhya oder Samkhya bezeichnet, ist das älteste philosophische hinduistische System. Es wird dem sagenhaften Seher Kapila zugeschrieben, wobei die älteste schriftliche Quelle die Sankyakarika des Ishvrakrishna ist. Das Samkya System gilt als ontologische Basis für das System des Yoga. Samkya ist eine Lehre der Zweiheit. Die zwei Grundprinzipien sind purusha (die Individualseele, das Selbst – der unveränderliche Wesenskern des Menschen) und prakriti (die materielle Erscheinungswelt, dazu gehören auch psychische Funktionen wir z.B. der Geist). Die Form der prakriti entscheidet sich nach den drei gunas (Eigenschaften), sattva (ausgeglichen), rajas (aktiv), tamas (schwer). Samkya ist atheistisch, es gibt keinen Schöpfergott oder Schöpferakt, die Welt wird nicht erschaffen. Es handelt sich um die Entwicklung von etwas, das schon immer existiert hat.

Das Epos Bhagavadgita ist das bekannteste Zeugnis der epischen Literatur Indiens. Die Gita umfasst im Wesentlichen drei Hauptwege des Yoga:

  • Karma-Yoga – der Weg des absichtslosen, selbstlosen Handelns
  • Bhakti-Yoga – der Weg der verehrenden Hingabe an Gott
  • Jnana-Yoga – der Weg der Erkenntnis durch Studium und Meditation

Die Bhagavadgita ist Teil des Mahabharata („das große Epos vom Kampf der Nachkommen des Königshauses Bharata“), dies ist die längste Dichtung der Weltliteratur. Als Verfasser gilt der mythische Dichterweise Vyasa.

Sutra Periode (200 v. Chr. – 200 n. Chr.)
Patanjali’s Yogasutren läuten die Sutra Periode und damit die klassische Yogatradition ein. Der wissenschaftlich nicht klar einzuordnende Autor fasst mit diesem, in kurzen Lehrsprüchen geschriebenem Buch, die aus der Vergangenheit bekannten Yogalehren erstmalig zusammen. In 16 der 195 Sutren beschreibt Patanjali den achtgliedrigen Yogaweg, bezeichnet als Ashtanga Yoga.

Mittelalterliche Periode (200 n. Chr. – 1800 n. Chr.)
Aus der heutigen Betrachtung zeigt sich, dass Patanjalis achtgliedriger Pfad immer das Kernstück, die methodische Basis für alle folgenden Yogavarianten darstellt. Als Yogavarianten seien genannt:

  • Hatha-Yoga – Körper und Atem
  • Mantra-Yoga – Rezitation von Silben und Klängen
  • Yantra-Yoga – Meditation auf Bilder und Symbole
  • Laya-Yoga – Willenskraft

Die wichtigsten mittelalterlichen Texte wie Hatha-Pradipika, Gheranda-Samhita und Shiva-Samhita beziehen sich auf die körperorientierte Methode des Hatha-Yoga. In der Literatur ist man aber allgemein der Auffassung, dass die darin beschriebenen Praktiken schon von alters her bekannt waren, da sie selbst in Indien des vedischen Zeitalters bekannt waren.

Moderne Periode (ab 1800 n. Chr.):
Der heute verbreitete Yoga unterscheidet sich vom traditionellen Yoga vor allem hinsichtlich der Motivation der Übenden. Im traditionellen Sinn war das Ziel des Yoga und die Motivation es zu praktizieren die Selbstbestimmung, die spirituelle Befreiung und die vollständige geistige Wachheit des Menschen. Nur wenige Menschen folgten diesem Weg.

Heute wird Yoga hauptsächlich im Interesse der Gesundheit geübt. Die Begleiterscheinung der Hatha-Yogapraxis, wie physische und psychische Gesundung, steht im Mittelpunkt der Motivation der Übenden. Wie aus dem kurzen geschichtlichen Überblick ersichtlich, ist Patanjalis Asthanga Yoga die Basis für heutige Yogaarten.